„Wir werden auf die aktuellen Unternehmensbedürfnisse agil reagieren und drängende Trainingsthemen früher pilotieren.“

Blick in die Projektwerkstatt mit Peter Uhlig, Projektkoordinator für „Nachhaltig Erfolgreich Führen“

Lieber Herr Uhlig, Sie sind Koordinator des Förderprojekts „Nachhaltig Erfolgreich Führen“ der DIHK-Bildungs-GmbH. Wir möchten heute von Ihnen wissen, wie weit das Projekt vorangeschritten ist und wann wir mit dem Start rechnen können. Doch vorab ein paar Worte zu Ihnen persönlich. Was bringt Sie zu diesem Nachhaltigkeitsprojekt bei der DIHK-Bildungs-GmbH?

Ich bin seit Langem intrinsisch motiviert für das Thema Nachhaltigkeit und möchte Unternehmen helfen, aus diesem im ersten Moment schwer greifbaren Thema etwas Handhabbares zu formen. Die Motivation dazu kommt bereits aus meinen ersten Studientagen in BWL. Da nahm ich die Haltung ein, dass wirtschaftliches Handeln unter der Einhaltung von sozialen und ökologischen Kriterien erfüllt werden kann und auch sollte. Ich habe mich dann ganz bewusst für das Studium zum Master in BWL mit dem Schwerpunkt „Entrepreneurship und Social Innovation“ entschieden.

Und privat setze ich sehr vieles um, was zu einem nachhaltigen Leben zählt. Ich überlege eigentlich dauernd, was ich zu den Zielen der Nachhaltigkeit – seien es Klimaziele oder soziale Vorhaben – beitragen kann. Daher freue ich mich sehr, dass ich auch in meiner Arbeit mit diesem Projekt die Nachhaltigkeitsziele in Deutschland voranbringen kann.

Ein gutes Stichwort: Wie weit ist das Trainingsprogramm inzwischen gediehen?

Seit dem Startschuss im Juli 2018 haben wir über 30 Experten und Expertinnen sowie 30 Unternehmen gewinnen können, die uns beim Aufbau und der Umsetzung tatkräftig unterstützen. Anfangs haben wir das umfangreiche Trainingsprogramm konzipiert, und in den jeweiligen Arbeitskreisen wurden dann die Lehrgangskonzepte und Module entwickelt. Die Curricula wurden im Blended-Learning-Format – also in einer Kombination aus Seminaren, Webinaren und Selbstlernphasen – und auch als reine Webinarreihen aufgebaut. Aktuell sind wir dabei, die dazugehörigen digitalen Lernmedien zu produzieren. Anfang 2021 soll das Führungskräftetraining pilotiert werden. Ich würde sagen, inhaltlich haben wir 65 Prozent geschafft! Der größte Anteil floss bisher in die Gestaltung des Rahmenwerks. Wir sind also auf einem guten Weg.

Was sind Ihre Projektmeilensteine?

Explizit waren das nach der Startphase und dem Kick-off mit den beteiligten Experten die Konzeption des Trainingsaufbaus und die Feinjustierung, die Akquisition der Projektpartner und die Etablierung der Projektgremien. Wir werden begleitet durch einen Steuerungskreis und einen fachlichen Beirat. Für die Konzeption der Module gab es einen grundsätzlichen Aufbau: Je ein Modulverantwortlicher mit zwei Fachexperten und mindestens zwei Unternehmen haben die Inhalte des Trainingsprogramms entwickelt.

Bei so vielen exzellenten Mitwirkenden in diversen Modulen wirkt das Projekt sehr komplex. Entsteht hier gerade ein Sustainability-Campus für die deutsche Wirtschaft?

Das mag so klingen, denn wir agieren schon in einem recht großen Rahmen. Das Trainingsprogramm richtet sich zum einen an Führungskräfte und zum anderen an eine Reihe von Untergruppen. Zusätzlich ist es branchenübergreifend und modular, digital und analog. Diese Komplexität ist sicherlich eine Herausforderung. All diese Projektpartner zu steuern, gehört zu meinen Aufgaben und macht mir großen Spaß. Es ergeben sich permanent Gespräche mit neuen Anregungen, die wir auch in das Führungskräftetraining einfließen lassen möchten. Durch die vielen Einflüsse profitiert das Training – und das ist auch so gewollt.

Vertreter der Nachhaltigkeit erheben den Anspruch, das Wirtschaften in den Unternehmen zu verändern. Dieser Anspruch ist ambitioniert und muss gesteuert werden. Wer sorgt für die fachliche Exzellenz dieses Trainings?

Da ist zum einen das Steuerungsteam, zu dem alle Modulverantwortlichen zählen, die das inhaltliche Konzept anspruchsvoll formuliert haben. Neben den Inhalten geht es dabei auch um konzeptionelle Fragen der Vermittlung und die Blended-Learning-Konzepte.

Dann gibt es den fachlichen Beirat. Da sind die Experten aus verschiedenen Arbeitskreisen mit dabei, zudem die Industrie- und Handelskammern (IHKs) der Pilotregionen Magdeburg, Mannheim, Nürnberg und Hamburg, die DIHK-Vertretung und unsere Ansprechpartnerin aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Wir sind fachlich und wirtschaftspolitisch also hervorragend aufgestellt.

Durch diese Projektgremien leisten wir einen wichtigen Beitrag, damit „Nachhaltig Erfolgreich Führen“ die Zukunftsfähigkeit der kleinen und mittelständischen Unternehmen unterstützt. Das entspricht zugleich dem Bild des eEEhrbaren Kaufmanns, zu dessen Förderung sich die IHKs verpflichtet haben.

Wie stellen Sie sicher, dass die Trainingsinhalte den Ansprüchen der Wirtschaft entsprechen?

Wir klären im Projekt ständig, was unsere Kunden tatsächlich brauchen. Es ist die Aufgabe der Pilot-IHKs, ihr Wissen und ihre Stimme reinzugeben, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Wo gibt es vielleicht auch neue Ansprüche? Gerade in der kritischen Corona-Zeit kommen neue Themen auf. Dieser Input ist extrem wichtig, denn wir wollen das Trainingsprogramm bedarfsgerecht gestalten.

Wird es auch in Zukunft eine fachliche Begleitung des Trainings geben, um die Zukunftsfähigkeit der Themen zu erhalten?

Ein Curriculum ist ein lebendes Dokument. Gerade beim Thema Nachhaltigkeit beobachten wir, dass es praktisch jeden Monat einen neuen Stand gibt, zum Beispiel neue Regularien, die dort einfließen müssen. Wir haben daher im Moment ein Curriculum, mit dem wir starten werden, aber wir reden ganz bewusst von einem Curriculum 1.0. Gegen Ende des Projektes wird es noch ein Curriculum 2.0 geben, sodass wir ein Dokument haben, das den aktuellen Status abbildet. Dass dies dann über die Jahre immer weiter modifiziert wird, ist ganz klar.

Welche Learnings haben Sie im Projekt bereits gemacht?

Zuallererst hätten wir nicht erwartet, dass so schnell so viele Personen an Bord sind. Das war ein positives Zeichen. Ein weiteres positives Learning ist, dass wir sehr früh auf digitales Lernen gesetzt und entschieden haben, das Trainingsprogramm auf unterschiedliche Arten anzubieten. Zum einen nicht als reine Seminarvariante, sondern als eine Kombination aus Seminaren, Webinaren und Selbstlernphasen. Und zum anderen rein digital. Anfangs gab es viele skeptische Stimmen dazu, doch gerade jetzt mit den Erkenntnissen aus der Corona-Krise sind wir glücklich, dass wir uns so entschieden haben.

Die nächste Erkenntnis ist, dass wir bei allem Mut zu digitalen Formaten zunächst geplant hatten, dass die Trainings für die Topebene Präsenzveranstaltungen werden müssen. Wir wollten damit dem Wunsch des Netzwerkens nachkommen. Da wir aber im Moment nicht absehen können, wie sich alles entwickelt, müssen wir uns damit nun neu auseinandersetzen. Und wir überlegen, noch in diesem Jahr mit einer fallweisen Pilotierung exklusiv für die Geschäftsführung von Unternehmen zu starten. Denn es gibt Themen, die brennen unter den Nägeln. Daraus wird es sicher auch einen gewissen Netzwerkeffekt geben. Nicht so ausgeprägt, aber immerhin!

Verraten Sie uns, was in eine vorzeitige Pilotierung gehen wird?

Wir denken darüber nach, das Thema „Globale Lieferketten“ möglichst bald anzubieten. Unternehmen haben in der Krise massive Probleme mit ihren internationalen Zulieferern. Wie man sich da in Zukunft resilienter aufstellt, ist eine sehr drängende Frage. Da das Thema im Curriculum vorhanden ist, planen wir, damit früher in die Pilotierung zu gehen.

Welchen Zuspruch erleben Sie bisher mit dem Trainingsprogramm?

Der Zuspruch ist bei Partnern und Experten sehr hoch! Auch immer mehr Kammern sind interessiert und möchten das Trainingsprogramm anbieten. Und wir bekommen regelmäßige Anfragen zur Projektbeteiligung und auch bereits Teilnahmeanfragen. Der größte Zuspruch ist für mich, dass unser Programm vom BMBF gefördert wird. Das zeigt, dass es einen großen Bedarf für Nachhaltigkeitsbildung gibt. Und da hat unser übergreifendes 3-Säulen-Konzept offensichtlich überzeugt.

Was passiert nun in den nächsten Monaten?

Wir haben uns vorgenommen, in Zukunft öfter aus dem Projekt über Schritte in die Pilotierung zu berichten. Parallel wird uns die Lernmedienproduktion in Atem halten. Wir werden die Teilnehmerunterlagen in einer App anbieten. Dazu Whitepaper, Podcasts, Videos, Übungsaufgaben und Quizze. Ich denke, wir werden rund 200 Lernmedien produzieren. Parallel beginnen die Pilot-IHKs mit der Teilnehmereinladung und auch wir werden die Kommunikation für das Trainingsprogramm noch etwas hochschrauben.

Spannende Frage: Wann geht’s los und wie erfahren die Unternehmen vom neuen Training?

Wir überlegen aktuell mehrere Varianten der Pilotierung. Stand heute ist geplant, im Januar 2021 zu starten. Aber wahrscheinlich reagieren wir auf aktuelle Unternehmensbedürfnisse agiler und bieten vorab bereits Themen an.

Lernt man im DIHK-Management-Programm in festen Zeitfenstern?

Der konkrete Ablauf wird noch gemeinsam mit den Pilot-IHKs genau ausdifferenziert. Wir werden es auf jeden Fall recht flexibel halten. Wer sich zu dem Trainingsprogramm anmeldet, bekommt direkten Zugang zu den Unterlagen in der App – das heißt, man kann sich einen Überblick verschaffen und mit den Themen loslegen, die interessant erscheinen. Es ist ja auch offen gestaltet, ob die Teilnehmer an einem Zertifikat Interesse haben. Eine entsprechende Prüfung kann dann im Zuge des Transfermoduls „Responsible Leadership“ abgelegt werden. Aber das ist kein Muss.

Herzlichen Dank, Herr Uhlig, für die Einblicke. Das Trainingsprogramm geht also in den nächsten Monaten live! Wer den Start des IHK-Management-Trainings „Nachhaltig Erfolgreich Führen“ nicht verpassen möchte, meldet sich hier jetzt für den Newsletter an.